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Kreatin-Supplementation
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Original Articles Date:01.01.1970
eingestellt: Kurt

Bericht über positive Wirkung auf den Organismus und mögliche Hilfstherapie für Patienten mit verschiedenen neuro-muskulären,
neuro-degenerativen und altersbedingten Erkrankungen.
Grundlagenforschung als Basis
Kreatin (Creatine) ist eine schon seit mehr als hundert Jahren bekannte körpereigene,Substanz, die z.T. im Körper selber hergestellt oder über die Nahrung, vor allem mit Fleisch und Fisch, aufgenommen wird. Eine Person von 70 kg hat ungefähr 100-120 Gramm dieser Substanz im Körper, vorwiegend in den Skelettmuskeln, im Herzmuskel und im Hirn. Der tägliche Bedarf an Kreatin beträgt ca. 2-4 Gramm. Kreatin kommt als natürliche, biologische Substanz übrigens auch in der Muttermilch vor. Kreatin wird mit Hilfe des Enzyms Kreatinkinase (CK) zur energiereichen Verbindung Phospho-Kreatin (PCr) "aufgeladen". Diese chemische Energie steht dann in den Organen und Zellen für vielfältige Aufgaben zur Verfügung, z.B. für die Kontraktion von Skelett- und Herzmuskeln, sowie für die Aufrechterhaltung des internen Zellmilieus durch energetische Versorgung von Ionenpumpen (Kalzium und Natrium/Kalium Pumpen).Die Grundlagenforschung konnte die eminente physiologische Bedeutung des CK-Systems aufzeigen und die Rolle von Phospho-Kreatin (PCr) als Energiepuffer und vor allem auch als Transportform von Energie in der Zelle dokumentieren. Trotzdem sind noch viele wichtige Fragen im Zusammenhang mit der zellulären Bioenergetik und dem Kreatinkinase-System noch offen und bedürfen noch weiterer Forschung.

Kreatin als offiziell erlaubte Nahrungsmittel-Ergänzung zur Leistungssteigerung für Sport und Freizeit
Auf Grund der Ergebnisse aus der Grundlagenforschung haben verschiedene international bekannte Spitzenathleten vor ca. 5 Jahren mit der Einnahme von Kreatin-Pulver begonnen und damit erstaunliche Leistungssteigerungen von 10-20% erreicht, zuerst vor allem im Sprintbereich, dann aber auch in anderen Disziplinen.Nachdem das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) in Bern Kreatin als Nahrungsmittelzusatz geprüft und seit August 1995 zugelassen hat, wird Kreatin als Nahrungsmittelergänzung und Aufbaumittel von Athleten für praktisch alle Sportarten angewendet, da mit Kreatin nicht nur die Sprint-, sondern auch die Ausdauerleistung verbessert und die Erholungszeiten nach hartem Training verkürzt werden können. Mit Kreatin als "natürlichem Leistungsverbesserer" sind an internationalen Wettkämpfen schon einige Goldmedaillen gewonnen worden. Kürzlich (im Dez. 1998) hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) in einer offiziellen Stellungsnahme verlauten lassen, daß es keine objektiven Gründe gibt, Kreatin auf die Doping-Liste zu nehmen und daß Kreatin von Sportlern und Athleten weiterhin als erlaubte Nahrungsmittel-Ergänzung zur natürlichen Leistungssteigerung eingenommen werden kann.Kreatin empfiehlt sich auch für gut trainierte Freizeitsportler, Bergsteiger etc. die oft an die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit kommen, nicht nur wegen der Steigerung der effektiven körperlichen Leistung, sondern auch weil die Erholung von großen Anstrengungen verbessert und beschleunigt wird. Rekonvaleszente
Neuere Forschungsarbeiten zeigen nun, daß nicht nur Athleten und Spitzensportler von Kreatin profitieren können, sondern auch Personen, die in Beruf und Alltag unter physischem und psychischem Leistungsdruck stehen, sowie Rekonvaleszente, deren Muskelmasse und Kraft nach längerer Bettlägerigkeit stark reduziert worden ist. Dasselbe gilt insbesondere auch für Vegetarier, die nachweislich signifikant niedrigere Kreatin und Phospho-Kreatin Spiegel in ihren Muskeln aufweisen. Auf Grund der positiven Berichte vieler Personen, die Kreatin zu sich nehmen, kann gefolgert werden, daß diese Substanz auch die Leistung des Gehirns, z.B. Lernen und Gedächtnis, sowie die Koordination der Bewegung (Wirkung auf das Kleinhirn) verbessern- und gleichzeitig die Stresstoleranz erhöhen kann. Viele Probanden berichten zudem, daß sie sich mit Kreatin auch psychisch schneller und besser erholen und weniger Schlaf benötigen. Es ist offensichtlich, daß sich eine Kreatin-Supplementation besonders auch für Senioren eignet und dieses Mittel in Alters- und Pflegeheimen mit Erfolg eingesetzt werden könnte. Die muskulären
Phospho-Kreatin-Speicher nehmen mit dem Alter nämlich deutlich ab. Zudem ist bekannt, daß schon nach relativ kurzer Bettlägerigkeit Muskelmasse und Muskelkraft von immobiliserten Patienten signifikant abnehmen und ein Wiederaufbau des Muskelapparates während der Rekonvaleszenz auch unter regelmäßiger Physiotherapie und mit entsprechendem Krafttraining längere Zeit in Anspruch nimmt. Es wurde neulich gezeigt, daß bei Probanden, denen ein Bein während 3-4 Wochen von der Hüfte bis zu den Zehen eingegipst (immobilisiert) worden war, durch Kreatineinnahme der Verslust und Muskelmasse am immobiliserten Bein im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Kreatin deutlich vermindert werden konnten. Zudem waren Muskel- und Kraftzuwachs nach Entfernung des Gipses bei der Kreatin-Gruppe deutlich besser.

Kreatin als zusätzliche Hilfstherapie bei verschiedenen neuoro-muskulären Krankheiten
Obwohl auf Grund der Befunde aus der Grundlagenforschung die zentrale Rolle von Kreatin und Phospho-Kreatin (PCr) umfassend gezeigt und dokumentiert werden konnte, überrascht es, daß Kreatin in der Humanmedizin bis in neuester Zeit relativ wenig Beachtung gefunden hat. Es ist nämlich durchaus anzunehmen, daß viele Patienten mit verschiedenen Krankheiten des zentralen und peripheren Nervensystems, sowie der Skelettmuskeln, des Herzens, und der Knochen von Kreatin profitieren könnten. Grundsätzlich kann nämlich gesagt werden, daß viele Krankheiten, besonders jene im neuro-muskulären Bereich, mit einer gestörten Zellenergetik einhergehen, das heißt, der Energiezustand der Nerven- und/oder Muskelzellen ist in diesen Patienten deutlich vermindert. Bei der Duchenne Muskeldystrophie stellt man nach Muskelstress eine erhöhte Kalzium-Konzentration in den Muskelzellen fest. Auf Grund der Abwesenheit des Dystrophin-Proteins oder Fehlern im Dystrophin-Glykoprotein-Komplex, kommen bei dieser Krankheit nämlich oft Defekte in den Zellmembranen der Muskeln der Patienten vor, wobei zuviel Kalzium in die Muskelzellen einströmen kann. Die chronisch erhöhte intra-zelluläre Kalziumkonzentration bewirkt unter anderem, daß die Muskelzellen, die unter ständigem Energieaufwand und somit unter Verbrauch von energetisch wertvollem Phospho-Kreatin( PCr) versuchen, das überschüssige Kalzium aus der Zelle heraus zu pumpen, verkrampfen und schließlich langsam degenerieren. Chronisch erhöhte Kalzium-Konzentrationen in den Zellen führen zu einem erhöhten Abbau von Muskelsubstanz und langfristig zu Muskelatrophie.
Die Wiederherstellung der optimalen Energetik in diesen Zellen mittels Kreatin, das in den Ruhephasen zu Phospo-Kreatin (PCr) aufgeladen wird, scheint somit eine logische therapeutische Strategie, die sich in Zellkulturen von dystrophen Mäusen und am Tiermodell mit dystrophen Mäusen tatsächlich bereits bewährt hat. Auch wenn die Einnahme von Kreatin und somit die Erhöhung des Phospho-Kreatin-Spiegels die tatsächlichen Ursachen der diversen neuromuskulären Erkrankungen nicht direkt reparieren kann, wird durch Kreatingaben doch der energetische Zustand von Nerven und Muskeln generell verbessert. Falls mit der Einnahme von Kreatin früh genug in den Krankheitsverlauf eingegriffen wird, ist anzunehmen, daß sich nicht nur die Symptome wesentlich verbessern, sondern auch der Verlauf der Krankheit verlangsamt oder sogar für längere Zeit verzögert werden kann.Dasselbe gilt auch für Herzkranke, z.B. bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt, bei denen Störungen des Energiestoffwechsels des Herzens ein bedeutendes Problem darstellen. Interessanterweise zeigt hier Phospho-Kreatin (PCr) eine direkte kardioprotektive Wirkung.Schutzwirkung von Kreatin auf Gehirn und Nervenzellen Das Enzym, Kreatinkinase, sowie dessen Substrate, Kreatin und Phospho-Kreatin, sind auch in Hirn- und Nervenzellen in relativ großen Konzentrationen zu finden und sind besonders in denjenigen Zellen, die für die Koordination von Bewegungen (Purkinje-Zellen im Kleinhirn), sowie auch für Lernen und Gedächtnis (Hippocampus) verantwortlich sind, angereichert. Dies läßt darauf schließen, daß Kreatin für die Energetik dieser Hirnfunktionen eine wichtige Rolle spielt und daß Kreatin-Supplementation auch diese Leistungen des Gehirns verbessern kann.
Neueste Befunde zeigen eine positive Wirkung von Kreatin auf Gehirn und Hirnleistung und deuten darauf hin, daß gewisse neuro-degenerative Veränderungen, wie Alzheimer'sche und Huntington'sche Krankheit und auch Multiple Sklerose oder Parkinson mit Kreatin gelindert werden können. Diese Resultate sind im Einklang damit, daß Kreatin eine deutliche Schutzfunktion für Hirn-und Nervenzellen zeigt, besonders vor Schäden, die auf Grund von Sauerstoffmangel oder aber von Sauerstoffradikalen im Gehirn zustande kommen. Zudem konnte kürzlich gezeigt werden, daß Kreatin in verschiedenen Zellen eine deutliche Schutzwirkung vor dem programmierten Zelltod (Apoptose) haben kann.

Kreatin hilft für Wachstum und Mineralisierung von Knochen und Knorpel
Neueste Befunde mit Zellkulturen von Knochenzellen (Osteoblasten) und embryonalen Knochen von Ratten zeigen, daß Kreatin auch auf Knochen und Knorpel eine positive Wirkung ausübt: Knochenzellen und ganze Knochen wachsen und mineralisieren deutlich besser. Das heißt, daß Kreatin bei der Heilung von Knochenbrüchen, beim Einwachsen von Knochenprothesen (künstliche Hüftgelenke) eine positive Wirkung haben und zudem den Verlauf von Osteoporose im Alter mildern könnte. Diese Befunde scheinen in Anbetracht der Tatsache, daß die Mineralisierung und Bildung von Knorpel und Knochen stark energieverbrauchende Prozesse sind, durchaus verständlich, weil das Kreatinkinase 1 Kreatin-System auch in diesen Zellen vorkommt und somit deren zelluläre Energetik verbessern kann.Wird das Kreatinkinase System in Knorpel und Knochenzellen von Versuchstieren durch Fütterung mit Kreatinanaloga (z.B.Guanidino-Propionsäure) gehemmt, stellt man eine deutliche Mißbildung der Knochen, besonders in der Wachstumszone fest was die physiologische Bedeutung von Kreatin für das normale Wachstum von Knorpel und Knochen unterstreicht. Die genaue Wirkung von Kreatin in diesen Bereichen am Menschen muß aber ebenfalls noch in klinischen Versuchen objektiviert werden. Diejenigen Personen, die Kreatin für Muskeln und Nervenstärke zu sich nehmen, werden jedoch eine zusätzlich positive Wirkung des Kreatins auf ihre Knochen sicher gerne in Kauf nehmen.


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