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Neue Form der Dysmorphophobie bei Männern
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Original Articles Date:01.01.1970
eingestellt: Kurt

Menschen, die unter einer Dysmorphophobie leiden, verbringen Stunden damit, sich kritisch im Spiegel zu betrachten, weil sie sich hässlich oder sogar entstellt fühlen. Sozialer Rückzug und Verlust des Arbeitsplatzes können die Folgen der Krankheit sein. Da die Betroffenen oft schweigen und selten Hilfe suchen, weiß man bisher nur sehr wenig über die Störung.

Wer hat diese Situation nicht schon mal erlebt? Man betritt ein Café und fühlt sich plötzlich angestarrt. Ist da etwa ein Fleck auf dem Kleid? Ist die Wimperntusche verlaufen? Sobald uns aber jemand versichert, dass nichts von dem der Fall ist, sind wir wieder beruhigt. Nicht so Menschen, die unter "Dysmorphophobie" oder "Body Dysmorphic Disorder" (BDD) leiden. Sie halten sich ständig für unzulänglich und fühlen sich durch einen Defekt, der für andere entweder gar nicht oder allenfalls minimal erkennbar ist, stark entstellt.

Ihren Anfang nimmt diese Krankheit meist im Teenager- oder frühen Erwachsenenalter, in einer Zeit also, die ohnehin von starker Verunsicherung geprägt ist. Die Betroffenen schämen sich für ihre schlechte Haut, für schiefe Zähne, zu kleine Genitalien, zu kleine oder zu große Brüste, eine schlechte Figur oder Mundgeruch. Sie glauben fest daran, dass dieser Makel jedem in ihrer Umgebung auffallen müsse. Deshalb versuchen sie ihn durch Make-up oder entsprechende Kleidung zu kaschieren. Manche Betroffenen verlassen ihre Wohnung aus Scham sogar nur noch nach Einbruch der Dunkelheit.


Die Erkrankten gehen anderen Menschen aus dem Weg

Während die einen die vermutete "Entstellung" ständig im Spiegel überprüfen müssen, versuchen die anderen gerade das um jeden Preis zu vermeiden. Häufig schwanken die Betroffenen aber auch zwischen den beiden Extremen hin und her. Aus Angst, sich mit dem Makel in der Öffentlichkeit zu zeigen, meiden die Betroffenen das Zusammentreffen mit Menschen. Oft verlieren sie dadurch den Ausbildungsplatz oder die Arbeitsstelle. In Freundeskreis und Familie kommt es zu Spannungen. Aufgrund der Isolation rutschen die Betroffenen häufig zusätzlich in eine Depression. Etwa ein Prozent der Erkrankten nehmen sich wegen ihrer Störung das Leben.


Neue Form der Dysmorphophobie bei Männern entdeckt

In jüngster Zeit wird eine neue Form der Dysmorphophobie beobachtet, die ausschließlich bei Männern aufzutreten scheint. Obwohl die Betroffenen groß und durchtrainiert sind, bejammern sie ihre zu schlaffen Muskeln. Sie stählen deshalb ihren Körper durch noch exzessiveres Schwitzen im Fitness-Studio und pumpen sich zusätzlich mit Nahrungsergänzungsmitteln und Anabolika auf.


Schönheits-Operation statt Therapie

Menschen, die an BDD leiden, reden nur ungern über ihre Stigmata und sind fest davon überzeugt, dass sie nur durch dermatologische oder chirurgische Eingriffe aus der Welt zu schaffen seien. Nur selten landen diese Menschen im richtigen Wartezimmer, nämlich dem eines Psychiaters oder Psychotherapeuten. Deshalb gibt es bisher kaum verlässliche Daten und keine wissenschaftlichen Studien über diese Krankheit. Erst seit Anfang der 90er-Jahre befassen sich Forscher, vor allem in Großbritannien und den USA mit den Erscheinungsformen der Dysmorphophobie und deren Therapie. Bewährt hat sich vor allem die Verhaltenstherapie. Dort lernen die Betroffenen ein realistischeres Selbstbild zu entwickeln und sich nicht ausschließlich über Äußerlichkeiten zu definieren. Bei besonders schweren Symptomen und starker Depressionen kann auch die zeitlich begrenzte Einnahme von Anti-Depressiva sinnvoll sein.

--> Lifeline


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