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Original Articles Date:01.01.1970
eingestellt: Kurt
Wer sich im neuen Jahr vorgenommen hat, einige Pfunde zu verlieren, tut gut
daran, mehr Sport zu treiben. Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder
Walking sind dafür besonders geeignet. Freizeitsportler sollten aber
abwechslungsreich und unterschiedlich intensiv trainieren, empfiehlt Dr. Birgit
Friedmann, Oberärztin am Institut für Sportmedizin der Universität Heidelberg,
im Gespräch mit Ingeborg Bördlein, Mitarbeiterin der "Ärzte Zeitung".
Ärzte Zeitung: Stimmt es, daß man mit mäßigem Ausdauersport die höchste
Fettverbrennung erzielt?
Friedmann: Bei Ausdauertraining mit relativ geringer Intensität ist der
prozentuale Anteil der Fettverbrennung an der Energiebereitstellung am höchsten.
Das bedeutet aber nicht, daß für die Gewichtsabnahme ein Ausdauertraining mit
geringer Intensität generell am besten geeignet wäre, oder gar - was teilweise
propagiert wird - ein Ausdauertraining mit höherer Intensität vermieden werden
müßte.
Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Eine junge Frau läuft 30 Minuten mit einer
Intensität von 50 Prozent ihrer aeroben Leistungsfähigkeit und verbraucht dabei
insgesamt 220 kcal. Die Hälfte, also jeweils 110 kcal, werden dabei im Fett-
bzw. Kohlenhydratstoffwechsel verbraucht. Läuft die selbe Frau schneller und
zwar mit einer Intensität von 75 Prozent ihrer aeroben Leistungsfähigkeit,
werden nur 33 Prozent der Energie aus dem Fettstoffwechsel geliefert und 67
Prozent aus dem Kohlenhydratstoffwechsel.
In Kalorien ausgedrückt heißt das aber: Im Fettstoffwechsel werden weiterhin 110
kcal verbraucht, der Verbrauch im Kohlenhydratstoffwechsel ist jedoch auf 222
kcal gestiegen, der Gesamtkalorienverbrauch bei dem schnelleren Lauf ist mit 332
kcal um etwa 50 Prozent höher! Und man verfolgt ja das Ziel, den
Gesamtkalorienverbrauch zu erhöhen.
Ärzte Zeitung: Also sollte man doch möglichst intensiv trainieren?
Friedmann: Nein. Tut man dies nämlich, so überlastet man sich, und das Training
macht auf Dauer keinen Spaß. Deshalb empfehlen wir gesunden Freizeitsportlern,
abwechslungsreich und unterschiedlich intensiv zu trainieren.
Ärzte Zeitung: Wie sollten sich Freizeitsportler ernähren?
Friedmann: Sie sollten wie Leistungssportler, auf einen hohen Anteil komplexer
Kohlenhydrate in ihrer Ernährung achten. Folgende Zusammensetzung wird
empfohlen:
50 bis 55 Prozent Kohlenhydrate,
30 Prozent Fett,
15 bis 20 Prozent Eiweiß.
Leistungssportler aus Ausdauersportarten sollten den Kohlenhydratanteil noch
erhöhen, nach Möglichkeit auf mindestens 60 Prozent.
Ärzte Zeitung: Brauchen Freizeitsportler Nahrungsergänzungsmittel?
Friedmann: Wenn sie sich bewußt ernähren nicht. Bei starken Schweißverlusten
kann einmal ein Magnesiummangel auftreten, der sich in Muskelverhärtungen oder
Muskelkrämpfen äußert, eine generelle Magnesiumsubstitution ist jedoch nicht
erforderlich. Während langer Ausdauerbelastungen, etwa bei mehrstündigem
Radfahren, wird die Zufuhr von Elektrolyten und Kohlenhydraten am einfachsten
durch kommerziell erhältliche Sportgetränke ermöglicht. Nach einstündiger
Belastungen können Flüssigkeit und Elektrolyte auch problemlos durch
Mineralwasser oder Fruchtsaftschorlen ersetzt werden.
Ärzte Zeitung: Halten Sie eine Leistungsdiagnostik generell für nötig? Wer
braucht eine solche Diagnostik?
Friedmann: Eine Leistungsdiagnostik ist nicht generell erforderlich. Oft besteht
jedoch Verunsicherung darüber, wie hoch der Trainingspuls sein darf oder sein
sollte. Diese Frage kann leicht mit einer Leistungsdiagnostik beantwortet
werden. Die veröffentlichten Pulsformeln erweisen sich dagegen oft als zu
ungenau.
Ärzte Zeitung: Wie sieht eine solche Untersuchung aus?
Friedmann: Sie erfolgt bei uns im Ergometrielabor meistens auf dem Laufband oder
Fahrradergometer. Wir steigern die Belastung stufenweise. Auf dem Laufband
beginnen wir mit sechs oder acht km/h. Eine Belastungsstufe dauert drei Minuten,
dann wird um jeweils zwei km/h gesteigert, bis zur subjektiven Erschöpfung. Auf
dem Fahrradergometer beginnen wir mit 50 Watt und steigern alle drei Minuten um
50 oder 25 Watt. Immer am Ende der Belastungsstufe entnehmen wir Kapillarblut
aus dem Ohrläppchen oder der Fingerbeere zur Laktatbestimmung. Aus den einzelnen
Laktatwerten wird die Laktatleistungskurve erstellt. Sie erlaubt eine Bestimmung
der Schwelle, ab der der Körper Glukose überwiegend ohne Sauerstoff abbaut, und
hilft somit, geeignete Trainingbereiche festzulegen.
Für eine Leistungsdiagnostik eignen sich nur gesunde Sportler. Daher sind eine
kurze Befragung und eine Untersuchung erforderlich. Die Diagnostik ist eine
IGeL-Leistung. Mit Beratung beläuft sich die Diagnostik nach GOÄ auf etwa 97
Euro plus 2,33 Euro pro Laktatbestimmung.
Auszug: www.aerztezeitung.de
Quellenangabe:-
Bildnachweis:-
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