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Herausgeber: giessener-anzeiger.de
Original Articles Date:12.01.2007
eingestellt: Kurt
Leidenschaft von Walter Klock ist Bodybuilding - Kumpel von Schwarzenegger - Mit 76 Jahren fast täglich Hanteln stemmen
GIESSEN (lhe). Das weiße Muskel-Shirt von Walter Klock unter der offenen schwarzen Trainingsjacke sitzt eng, wie eine zweite Haut. An den üppigen Oberarmen spannt der Stoff ein wenig, die Baumwollhose lässt kräftige Oberschenkel erahnen. Das breite Kreuz und die Muskeln Klocks sind das Ergebnis fast 30 Jahre langen Bodybuildings. Fünf Mal in der Woche trainiert der Gießener je zwei Stunden im Fitness-Studio - auch mit 76 Jahren. "Andere denken in dem Alter ans Sterben", sagt Klock, der bei einer Größe von 1,71 Meter 97 Kilogramm auf die Waage bringt. "Ich werde trainieren, bis es gar nicht mehr geht." Seine durch einen großen Zufall entflammte Leidenschaft für das Bodybuilding hat ihm in Fachkreisen eine Reihe anerkennender Titel eingebracht. "Erfolgreichster Bodybuilding-Trainer der Welt" oder "Vater des Bodybuildings" wurde Klock schon genannt. Mit Arnold Schwarzenegger, dem sein auf Kraft trainierter Körper einst zu Hollywoodruhm verhalf, ist Klock seit einer Begegnung 1983 befreundet. Damals hatte Klock bei einer Veranstaltung des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbands (DBFV) in München den heutigen Gouverneur von Kalifornien für das gelobt, was Schwarzenegger für das Image und die Bekanntheit des Bodybuildings getan hat. "Walter, das ist das Schönste, was ich jemals gehört habe", erinnert sich Klock an Schwarzeneggers Dankesworte. Als Nationaltrainer brachte Klock von 1984 bis 1990 insgesamt 31 deutsche Bodybuilderinnen und Bodybuilder auf Siegertreppchen von Weltmeisterschaften.
Seine drei Fitness-Studios in Mittelhessen - in Gießen, Butzbach und Wetzlar - galten als Talentschmieden für deutsche Meister wie Michael Staudinger, Helen Obermann, Andre Lotz oder Viktor Dorn und Weltmeister wie Günter Schlierkamp, der als Profi-Bodybuilder in Kalifornien lebt. 1984 wurde Klock Vorsitzender des hessischen Bodybuilding- und Kraftsportverbands (HBBKV) und auch in den DBFV-Vorstand gewählt.
Angefangen hat Klocks wohl einzigartige Karriere 1977. Damals traf der 47-Jährige - 104 Kilogramm schwer und ohne jede sportliche Ambitionen - nach langer Zeit einen Freund wieder. "Dieser Mann, den ich nur braun gebrannt und gesund aussehend kannte, hatte einen Herzinfarkt bekommen und war ein Schatten seiner selbst", sagt Klock. Sofort seien ihm die Worte seines Arztes eingefallen, der ihn auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko wegen seines Bewegungsmangels und seines Gewichts hingewiesen hatte. "Gleich nach dem Treffen habe ich mir mein erstes Paar Turnschuhe und einen Trainingsanzug gekauft", sagt Klock. Im Darmstädter Hochschulstadion startete er nach nur wenigen Tagen seine erste Laufrunde. "Als ich an einem Raum der Hochschule vorbeilief, hörte ich Eisen klingen", sagt der 76-Jährige. Klock ging dem ihm unbekannten Geräusch nach und sah, dass Studenten in einem Kraftraum mit Hanteln Kniebeugen machten. "Als ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Hantel sah, war es Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich Klock. Dieser Augenblick habe seinem Leben eine neue Wendung gegeben. Sport wurde zu einem wichtigen Teil seines Lebens.
"Ich wollte unbedingt auch mal machen, was die machten und mal eine Hantel halten", sagt Klock. Er fragte an und die verdutzten Studenten ließen den damals 47-Jährigen mitmachen. "Fast täglich bin ich dann im Kraftraum gewesen, dort habe ich bei meiner ersten Kniebeuge 160 Kilogramm gestemmt", sagt Klock. Im selben Jahr eröffnete Klock das erste Fitness-Studio Gießens. "Bodybuilding konnten damals viele nicht einmal fehlerfrei aussprechen", sagt der 76-Jährige mit dem dichten weißen Haar.
Selbst als er 2001 am Herzen erkrankte und drei Bypässe bekam, dachte Klock nicht ans Aufhören - im Gegenteil. "Jeder kann sein Äußerstes erreichen, sein eigener Weltmeister werden im Bodybuilding, das fasziniert mich und treibt mich an", sagt Klock. Jedes Training biete eine neue Herausforderung. Statt ruhige Spaziergänge und wenig Anstrengung wie andere in seinem Alter, packt Walter Klock lieber richtig an.
Quellenangabe:http://www.giessener-anzeiger.de
Bildnachweis:DPA
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